„The Mandalorian and Grogu“ - Vom Fernsehen auf die Leinwand
Jon Favreau inszeniert den ersten Star Wars-Kinofilm seit sieben Jahren
Es gab einmal ein Zeit, da war ein neuer Star Wars-Film ein Event, dem Fans entgegenfieberten, um dessen Starttag sie ihr Leben planten, vielleicht auch frei nahmen, um in einer Mitternachtsvorführung die ersten sein zu können, die neue Star Wars-Bilder sahen. Diese Zeit ist längst vorbei, selbst eingefleischte Fans fremdeln inzwischen mit der Richtung, in die Disney die Weltraumseifenoper entwickelt hat. Wie beim ebenfalls von Disney verwalteten Marvel Cinematic Universum, erwies sich auch bei Star Wars als Problem, dass das filmische Universum genau das nicht mehr war: Nicht mehr nur Filme sollten alle paar Jahre für Begeisterung sorgen, sondern auch Fernsehserien, die in immer kürzerer Folge erschienen und dafür sorgten, dass Star Wars zur Gewohnheit wurde und kein Event mehr war.
Wenn nun nach tatsächlich sieben Jahren Pause – der letzte Star Wars-Kinofilm war der 2019 erschienene „Episode IX - Der Aufstieg Skywalkers“ – mal wieder ein Star Wars-Film ins Kino kommt, wirkt die Vorfreude der Fans gebremst, was vielleicht auch daran liegt, dass „The Mandalorian & Grogu“ ursprünglich als vierte Staffel der Fernsehserie „The Mandalorian“ gedacht war.

Mit der begann 2019 die letzte, wenn auch eher kurzlebige Erfolgsgeschichte aus dem Hause Star Wars, eine Serie, die gleichermaßen neue, aber doch bekannt wirkende Figuren einführte, die stilistisch überzeugte (zumindest nach den Maßstäben einer TV-Serie), die mit dem knuffigen Grogu eine niedliche Figur schuf, die fast den Kultstatus des guten alten Yoda entwickelte und mit Pedro Pascal einen Hauptdarsteller hatte, der vor sieben Jahren noch frisch und unverbraucht wirkte.
Wie schnelllebig unsere Zeit funktioniert, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass viele Zuschauer inzwischen von Pascal genervt sind, das ihm vorgehalten wird „überall“ mitzuspielen. Was natürlich albern ist, aber da Pascal nicht nur in einer TV-Serie wie „The Last of Us“ zu sehen war, sondern auch in prestigeträchtigen Filmen wie „Gladiator 2“, „Eddington“ und dem „Fantastic Four“-Reboot, erreichte er eine erhebliche Präsenz.

2019 war das noch anders, da trug Pascal als Mandalorian eh meist eine Maske, unter der er sehr wenig sagte, und wenn, dann meist markante Sprüche wie „This is the way.“ Erdacht wurde die Serie von Jon Favreau, der nun auch den Kinofilm inszeniert, wofür er augenscheinlich sehr viel Geld zur Verfügung hatte. Dementsprechend gut sieht „The Mandalorian & Grogu“ aus, was sich allerdings auch schon über die Serie sagen ließ, der stilistische Sprung von Fernsehen zum Kino bleibt daher weitestgehend aus. Und auch inhaltlich setzt der Film exakt da an, wo die letzte Staffel aufhörte: Der Mandalorian hat sich der New Republic angeschlossen, nachdem er aus der Gilde seiner Zunft, der Kopfgeldjäger, verbannt wurde, denn er hatte seine Maske abgenommen. Zusammen mit seinem Zögling Grogu soll er nun Rotta the Hutt finden, den Sohn von Jabba the Hutt. (Zeitlich bewegen sich Serie und Film zwischen den Star Wars-Filmen „Die Rückkehr der Jedi Ritter“ und „Das Erwachen der Macht“) Rotta besitzt wichtige Informationen über die Pläne der verbliebenen Kämpfer des Imperiums, doch umsonst gibt er sie nicht preis.

In typischer Star Wars-Manier springt Favreau zwischen unterschiedlichen Handlungssträngen hin und her, inszeniert lakonische Momente, in denen der Mandalorian und Grogu wie einsame Reiter durch die Wüste ziehen, spart aber auch nicht mit bildgewaltigen Actionszenen. Das ist nett anzusehen, löst jedoch kaum die Begeisterung aus, die man mit Star Wars einmal verbunden hat.
Aber die Rückkehr ins Kino ist ein Anfang, vielleicht gelingt es ja Ryan Gosling nächstes Jahr in „Star Wars: Starfighter“, dem langlebigen Franchise wirklich neues Blut zuzuführen.
The Mandalorian & Grogu • USA 2026 • Regie: Jon Favreau • Darsteller: Pedro Pascal, Sigourney Weaver • im Kino • Abb. © Lucasfilm/Disney
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