„Fünf Freunde“ – by Nicolas Winding Refn
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Für nicht wenige ist Nicolas Winding Refn („Copenhagen Cowboy“) ein prätentiöses Großmaul, das sich nach einen Überraschungshit („Drive“, 2011) mit sturköpfiger Arroganz selbst die Karriere kaputt gemacht, für andere ist er ein hochtalentierter Künstler, der kompromisslos sein Ding durchzieht. Und so sorgte 2023 die Ankündigung, dass ausgerechnet der Mann, der nicht nur für die unverblümte Darstellung von zertretenen Schädeln oder Nekrophilie bekannt ist, sondern auch mit einem Erzähltempo bis kurz vor dem Stillstand provoziert, als Nächstes ausgerechnet Enid Blytons Kinderbuchklassiker „Fünf Freunde“ adaptieren will, besonders im Blyton-Fanlager für massives Herzstolpern.
Der dänische Auteur beteiligte sich „nur“ als Serienschöpfer (zusammen mit Matthew Read, mit dem Refn eine lange kreative Partnerschaft verbindet) und ausführender Produzent, Regie und Drehbücher wurden von anderen übernommen, aber wo Refn drauf steht, ist Refn drin und das gilt auch hier und so wundert es nicht, dass die neue Version heftig polarisierte. Natürlich gibt’s in dieser BBC/ZDF-Co-Produktion weder Gore noch Perversitäten, es handelt sich ganz klar um eine Kinderserie.

Aber der stilisierte, von Synthwave untermalte, Titelvorspann macht bereits bevor Refns Name auftaucht zweifelsfrei klar, wer hier hinter den Kulissen am Start war und im Folgenden zeigt sich seine Handschrift durch kaugummibunte, durchgestylte Bilder, einen 80er-Jahre-Retro-Soundtrack, der sich im steilen Kontrast zum 40er-Jahre-Setting befindet und diversen surrealen Sequenzen. Zudem ist die Atmosphäre dunkler als bei den bisherigen Blyton-Adaptionen und es wurden – wenn auch mit Zurückhaltung – übernatürliche Elemente integriert (was in den Büchern gar nicht vorkommt).
Die erste Staffel, die aus drei spielfilmlangen Episoden besteht, kann man sich hier (auf Dt. und im Original) anschauen. Eine zweite Staffel existiert bereits, wird in Deutschland bislang aber noch nicht ausgewertet.
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