17. Juni 2026

„Milky Subway: The Galactic Limited Express- The Movie“

Verkehrsrowdys im Weltall - Chaotisch, witzig, super-süß

Lesezeit: 3 min.

Von der Zukunft des Animes zu sprechen wäre etwas zuviel des Guten, aber es ist schon ein bemerkenswertes Wunderwerk, das Netflix Anfang Juni heimlich, still und leise ins Angebot genommen hat. Bei „Milky Subway: The Galactic Limited Express – The Movie“ handelt es sich um die Kinofassung des 2025 veröffentlichten Web-Animes „Milky Subway: The Galactic Limited Express“, das wiederum als Sequel zum Kurzfilm „Milky Highway“ von 2022 dient und in 12 kurzen Episoden von der genetisch verbesserten Draufgängerin Chiharu und ihrer besten Freundin Cyborg Makina erzählt, die beide wegen Verstoß gegen die Weltraumverkehrsgesetze zusammen mit anderen Verurteilten zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert werden. Man soll den „Milky Subway“, einen längst ausrangierten Zug für interplanetare Reisen, wieder auf Vordermann bringen. Die bunt zusammengewürfelte Truppe besteht unter anderem aus der außerirdischen Anführerin einer Motorrad-Gang und zwei Cyborg-Kumpels mit Liebe zu Videospielen. Die Delinquenten vertragen sich erstmal nicht so gut, doch als der Zug urplötzlich losdüst und unkontrolliert durchs Weltall rast, raufen sich die Verkehrsrowdys zusammen und sorgen nicht nur für ein Happy End, sondern ebenso für glückselig lächelnde Zuschauer.

Der 47-minütige Film, der übrigens nicht nur aus den 12-Web-Episoden besteht, sondern um neue Szenen ergänzt wurde, sieht nicht nur toll aus, besticht durch liebevoll gestaltete retrofuturistische Settings (die meiste Handlung spielt in verschiedenen Bereichen des Zugs) und starken Charakterdesigns, auch der Inhalt passt: Erzählt wird an sich nichts Neues, eine Gruppe Outcasts muss halt zusammenfinden um eine Katastrophe abzuwenden, aber „Milky Subway: The Galactic Limited Express“ bringt einen für Animes unüblichen Dialog-Stil ins Spiel und setzt auf Screwball-Comedy-artige Gesprächssalven, die unheimlich natürlich, fast wie improvisiert, klingen.

Soll heißen, das äußerst humorvolle Weltraum-Abenteuer ist sehr wortreich, die stellenweise auftretende Flut der Untertitel könnte selbst gute Leser ins Schwitzen bringen. Von den zahlreichen vorhandenen Synchronisationen, die größtenteils bereits für die YouTube-Fassung erstellt worden sind, sei aber dennoch abgeraten, da das Gesprochene nicht immer zu den Mundbewegungen passt und zudem überwiegend Menschen ohne Erfahrung hinters Mikro gesetzt wurden, was den rhythmischen, rasiermesserscharf getimten Humor beschädigt. In der japanischen Fassung wird dagegen, selbst ohne nur ein Wort japanisch zu können, einfach deutlich, dass hier Profis Vollgas geben.

Kaum zu glauben: Alle das, Kurzfilm, Web-Serie und Kinofassung, hatte ein zuvor völlig unbekannter Mann, Yōhei Kameyama, mit der gratis 3D-Grafiksoftware Blender nahezu im Alleingang realisiert – angesichts des Erfolgs (über 200 Millionen Zugriffe auf YouTube, am Startwochenende Platz vier in den japanischen Kinocharts trotz eine Auswertung in gerade mal 73 Kinos) dürfte Disney ins Schwitzen geraten.

Seit dem 12. Juni läuft „Milky Subway: The Galactic Limited – The Movie” erneut in den japanischen Kinos, mit weiteren neuen Szenen. Das ist natürlich schamlose Auspresserei, anderseits: Von Chihura, Makina und den Rest der liebenswerten Chaotenbande kann man einfach nicht genug kriegen und wenn auf diesem Weg schnellstmöglich ein neues Abenteuer an den Start gebracht wird, würde sogar ich mir denken: „Shut up and take my money!“

Milky Subway: The Galactic Subway Express (Japan 2026) • Regie: Yōhei Kameyama • Sprecher: Momoka Terasawa, Anna Nagase, Mikako Komatsu, Hisako Komatsu • Auf Netflix

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