Dan Simmons (1948-2026)
Der Autor der „Hyperion-Gesänge“ ist tot
Dan Simmons (im Shop) starb am 21. Februar 2026 im Alter von 77 Jahren. Er hinterlässt ein Werk, das wie kaum ein anderes die Grenzen zwischen Genres aufhob und zugleich die Hoffnungen, Ängste und Abgründe seiner Zeit reflektierte.
Geboren am 4. April 1948 in Peoria, Illinois, arbeitete er zunächst als Lehrer, bevor er mit einer Erzählung, die von Harlan Ellison gefördert wurde („The River Styx Runs Upstream“), seinen literarischen Weg einschlug. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1989 mit „The Hyperion Cantos“ (dt. „Die Hyperion-Gesänge“), einem Meilenstein der modernen Science-Fiction. Die verschachtelte Struktur, der philosophische Tiefgang und die poetische Wucht des Zyklus machten ihn zu einem der wichtigsten Autoren des Genres.
Zugleich zeigte Simmons eine bemerkenswerte stilistische Wandlungsfähigkeit: Ob Horror wie in „Carrion Comfort“ (dt. „Kraft des Bösen“), historischer Roman wie „The Terror“ (dt. „Terror“, im Shop) oder Thriller wie „Darwin’s Blade“ (dt. „Das Schlangenhaupt“) – er bewegte sich spielerisch zwischen Erzähltraditionen. „The Terror“ wurde 2018 als vielbeachtete TV-Serie adaptiert; weitere Verfilmungen seiner Werke befinden sich seit Jahren in variierenden Stadien der Entwicklung, ein Beleg für die anhaltende Faszination, die seine Stoffe ausüben.
Simmons wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter dem Hugo Award, dem Locus Award, dem Bram Stoker Award und dem World Fantasy Award. Diese Auszeichnungen markieren nicht nur literarische Erfolge, sondern auch das Echo seiner Themen: die Zerbrechlichkeit menschlicher Zivilisation, die Grausamkeiten der Geschichte und das rätselhafte Zusammenspiel von Mythos und Realität.
Gleichzeitig war sein Spätwerk von Kontroversen begleitet. Simmons’ politische Äußerungen und Blogbeiträge stießen wiederholt auf Kritik und führten zu leidenschaftlichen Debatten über Kunstfreiheit, Verantwortung und die Trennbarkeit von Autor und Werk. Diese Spannungen überschatteten für manche Leser seine späteren Romane, konnten jedoch den Rang seiner früheren Bücher im Kanon der modernen Phantastik nicht schmälern.
Mit seinem Tod verliert die Literaturwelt eine Stimme, die nie davor zurückschreckte, groß zu denken, unbequeme Fragen zu stellen und die erzählerischen Möglichkeiten des Fantastischen radikal auszuloten. Dan Simmons bleibt in den Erinnerungen seiner Leser als Architekt komplexer Welten und als Autor, der die Vorstellungskraft herausforderte und erweiterte.
Foto oben © privat
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