26. März 2020 3 Likes

Gelungenes Kopfkino

Vier wunderbare Kinderbücher, die dem Nachwuchs die Zeit daheim versüßen

Lesezeit: 5 min.

Schulen geschlossen, Kitas zu, Arbeiten im Home Office. Für viele Eltern stellt sich nun die Frage, wie sie dem Nachwuchs etwas bieten können. Zum Glück gibt es Kinderbücher, die eine Zeit lang alles vergessen lassen und Kopfkino versprechen. Und wer ganz nebenbei die Englischkenntnisse der Kleinen verbessern möchte, dem sei noch der Pro-Tipp ans Herz gelegt, mal nach den englischsprachigen Originalausgaben der vorgestellten Bücher zu schauen.

 

Klink und Klank

In Jon Scieszkas „Frank Einstein. Die Entführung der Roboter“ (im Shop) baut der junge Erfinder Frank zwei Roboter – oder besser gesagt, sie konstruieren sich selbst, nachdem Frank mit seiner Bastelei die Grundlagen gelegt hat. Der intelligente, zum Sarkasmus neigende Klink und der starke, aber weniger helle Klank, könnten ihrem Konstrukteur dabei helfen, einen Erfinder-Wettbewerb zu gewinnen. Mit dem Gewinn ließen sich ganz nebenbei die Schulden von Franks Großvater tilgen. Doch natürlich sind auch noch andere an Klink und Klank interessiert, sodass Frank und sein Freund Watson schon bald dem oberschlauen T. Edison (!) die Stirn bieten. Fast nebenbei vermittelt Scieszka mit seiner „Frank Einstein“-Reihe auf humorvolle Art Grundlagen der Naturwissenschaften. Die Illustrationen zum Abenteuer steuert übrigens der Amerikaner Brian Briggs bei, der auch schon mit Garth Nix zusammengearbeitet hat. Scieszka und Briggs kommen auf bislang sechs Frank Einstein-Romane, von denen leider nur zwei in deutscher Übersetzung vorliegen. Sein Hauptziel hat Jon Scieszka dabei nie aus den Augen verloren: Gerade Jungen die Freude am Lesen zu vermitteln. Und das gelingt ihm famos.

Jon Scieszka: Die Entführung der Roboter • Aus dem Englischen von Bettina Spangler • Heyne fliegt, München 2015 • 240 Seiten • 9,99 € (eBook) • Empfohlen ab 10 Jahren • im Shop

 

Hamster rettet Familie

Der ehemalige Journalist und TV-Produzent Ross Welford entdeckte erst Mitte der 2010er sein Talent für Kinderbücher. Seitdem hat er für die junge Zielgruppe fünf Romane verfasst, die sich mit Science Fiction-Topoi beschäftigen. So auch in seinem Erstling „Zeitreise mit Hamster“. Der kleine Titelheld spielt hier zwar nur eine untergeordnete Rolle, rettet am Ende aber tatsächlich den Tag und damit auch seine Familie. Im Fokus der Geschichte steht Albert „Al“ Einstein Hawking Chaudhury, der zu seinem 12. Geburtstag einen Hamster geschenkt bekommt – und der sogleich auf den Namen eines bekannten britischen Fußballspielers getauft wird: Alan Shearer. Ebenfalls ein Geburtstagsgeschenk: ein Brief seines verstorbenen Vaters. Der hatte 1984 einen Unfall an dessen Spätfolgen er starb. Wer seinen Sohn nach begnadeten Wissenschaftlern benennt, ist selbst ein begeisterter Tüftler. Und so hat Als Vater kurz vor seinem Tod eine Zeitmaschine gebaut und seinem Sohn die Notizen hinterlassen, die dieser zum Starten der Maschine braucht. Die Sache hat nur einen Harken: Der Junge muss hierfür in das Haus einbrechen, das die Familie bis zum Tod des Vaters bewohnte und auf die Hilfe seiner verhassten Stiefschwester bauen. Ob ihm das gelingt und er seinen Vater vor dem viel zu frühen Tod bewahren kann? „Zeitreise mit Hamster“ ist eine wirklich schöne Zeitreise- und Familiengeschichte mit angloindischem Flair und ein gelungenes Debüt.

Ross Welford: Zeitreise mit Hamster • Aus dem Englischen von Petra Knese • Coppenrath, Münster 2017 • 368 Seiten • 14,95 € • Empfohlen ab 10 Jahren

 

Keine Zeit mehr…?

Es gibt Klassiker, die passen ungewollt zum Hier und Jetzt. Dazu zählt auch Philippa Pearces „Als die Uhr dreizehn schlug“. Der Roman erschien erstmals 1985 und gewann im darauffolgenden Jahr die begehrte Carnegie Medal für Kinder- und Jugendbücher. In „Tom’s Midnight Garden“ erkrankt Peter Long an den Masern. Sein Bruder Tom reist daraufhin zu seinem Onkel Alan und seiner Tante Gwen in „Quarantäne“. Das kinderlose Paar hat die Krankheit bereits hinter sich und bereitet sich darauf vor, den Jungen in den Sommerferien zu verwöhnen. Im Gegensatz zu den Longs wohnen die Kitsons in einer Mietwohnung in der Stadt, wo es weder gleichaltrige Spielkameraden noch einen Garten gibt. Nur die Standuhr im Flur ist etwas Besonderes: ein Unikat, das immer die falsche Uhrzeit anzeigt. Schon bald plagen Tom Schlaflosigkeit und Heimweh. Als die Uhr eines Nachts 13 statt 12 schlägt, schleicht er sich aus der Wohnung und betritt den Hinterhof des Mehrfamilienhauses, der sich plötzlich in einen großen Garten mit Eiben, Hyazinthen, Obstbäumen, Spargelfeldern und Kindern verwandelt hat. Von diesen kann ihn allerdings nur die kleine Hatty sehen, die ihn sofort zu ihrem unsichtbaren Freund erklärt und in die vielen Geheimnisse des Gartens einweiht. In all den Jahren hat der Roman nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Gleich zwei Zeitebenen erwarten die jungen Leser: Toms Leben in den 1950er Jahren und Hattys im Zeitalter Königin Viktorias. Nacht für Nacht betritt der junge Held aufs Neue den Garten und erlebt, wie um ihn herum die Jahre in Windeseile vergehen und seine Spielkameradin zur jungen Frau wird. Ein außergewöhnlich schönes und zeitloses Kinderbuch über Familie, Freundschaft, Geister, Entdeckungsdrang und dem Versprechen, das alles wieder gut wird.

Philippa Pearc: Als die Uhr dreizehn schlug • Aus dem Englischen von Klaus Fritz • Aladin, Hamburg 2016 • 256 Seiten • antiquarisch zu bekommen (oder als „Tom’s Midnight Garden“ ab ca. 6 €) • Empfohlen ab 7 Jahren

 

Mehr als eine Zeit

Was wäre, wenn in unserer Welt verschiedene Zeitebenen parallel existieren würden? Diese interessante Prämisse verfolgt Armand Baltazar in „Timeless. Retter der verlorenen Zeit“. Seit einem kosmischen Vorfall hat sich das Antlitz der Erde verändert. Ein Urmeer dominiert weite Teile der Erdoberfläche, sodass ganze Landstriche unter Wasser stehen. Mikrochips? Alle nutzlos. Es ist wieder das Zeitalter von Feuer und Dampf! Königin Viktoria lebt hier genauso weiter wie Dinosaurier und Menschen aus dem 23. Jahrhundert. Held der Geschichte ist der 13-jährige Diego Ribera. Er lebt in New Chicago, einer Stadt, in der es viele Kanäle gibt. Sein Vater ist ein berühmter Roboteringenieur, der seine Heimat zu einer blühenden Metropole gemacht hat, seine Mutter eine bekannte Kampfpilotin. An seinem Geburtstag gibt es für den Jungen jedoch keinen Grund zu feiern: Sein Vater wird zusammen mit weiteren Ingenieuren von „Aeternum“ entführt. Diese Widerstandsgruppe verfolgt nur ein Ziel: Die Zeitverschiebung rückgängig zu machen, damit alles wieder so ist wie vorher. Diego, Petey, Paige und Lucy, deren Vater und Bruder ebenfalls entführt wurden, geraten auf der Flucht vor weiteren Angreifern schließlich an Piraten, die dazu angeheuert wurden, die Entführten zu retten. Ob die Kinder es schaffen, sich an Bord zu behaupten und die Väter zu befreien? Dem Animationskünstler Baltazar ist mit „Timeless. Retter der verlorenen Zeit“ ein atemberaubendes und spannendes Debüt gelungen. Seine meisterhaften Illustrationen bebildern dabei nicht nur einfach den Text, sondern sind integraler Bestandteil der Erzählung. Wer einfach nur liest, dem entgeht, was wirklich passiert. Baltazar lässt Diegos Heimat ungemein real erscheinen – und mancher Leser wird vielleicht sogar ein bisschen neidisch auf den Teenager, bekommt er doch ein funktionstüchtiges Hoverboard zum Geburtstag geschenkt … Einziger Wermutstropfen? Bisher gibt es zum zweiten Band nur Konzeptzeichnungen. Ein Veröffentlichungstermin steht aber noch nicht fest.

Armand Baltazar: Timeless. Retter der verlorenen Zeit • Aus dem Englischen von Tanja Ohlsen • cbj, Hamburg 2017 • 624 Seiten • 19,99 € • Empfohlen ab 12 Jahren

 

P. S.: Mehr lesenswerte Kinder- und Jugendbücher finden Sie auch in diesem Beitrag.

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