4. September 2021 2 Likes

Public Service Broadcasting in Berlin

Die britische Band und deutsche Zukünfte

Lesezeit: 2 min.

Die britische Band Public Service Broadcasting, die seit 2009 besteht, hat eine Vorliebe für die Zukunft der Vergangenheit, ohne dabei in Nostalgie zu versinken. Denn die Musik der Londoner ist moderner, artifizieller Pop, Musik für Studenten und Intellektuelle, zigfach gebrochen und doch immer hörbar und catchy. Nichts für die Charts, nichts für Milliarden-Likes, aber extrem sympathisch und schlicht gut.

J. Willgoose, Esq., Wrigglesworth und J F Abraham bschäftigen sich in ihren „Konzeptalben“ (was hier wirklich nix mit Prog-Rock-Desastern früherer Tage zu tun hat) mit gesellschaftlichen Umbrüchen (Industrialisierung, Moderne Medien, Space Race), mit Aufbruchstimmung, bei der die Musiker Scheitern und Niedergang stets mitdenken. Dafür binden sie in den Songs gerne Tonmaterial aus alten öffentlichen Quellen aller Art ein – in der Regel statt Sänger/Sängerin.

Für ihr neues Album „Bright Magic“ (ab 24. September) sind sie nach Berlin in die Hansa Studios gezogen, wo – neben etlichen Schlagerstars – auch David Bowie, Nick Cave, U2 oder Depeche Mode aufgenommen haben. Denn diesmal haben sich PSB offenbar mit Deutschland auseinandergesetzt, wie die in den letzten Wochen vorab veröffentlichten Songs musikalisch, textlich und optisch klarmachen. Das Instrumental „Lichtspiel III: Symphonie Diagonale“ bezieht sich natürlich auf Viking Eggelings berühmten Experimentalfilm „Diagonal-Symphonie“ (der im Video gekürzt gezeigt wird), „Blue Heaven“ ist eine Hommage an Marlene Dietrich und „People, Let’s Dance“ überrascht schon allein durch den deutschen Text (und kommt im Video mit einem niedlichen Retro-SF-Look daher, der im DEFA-Film „Im Staub der Sterne“ nicht weiter aufgefallen wäre).

Ganz offenbar hat die kulturelle Strahlkraft, die von Deutschland in den 1920ern (Richtung dekadenter Utopie) und 1970ern (Richtung graukalter Dystopie) ausging, die Briten fasziniert und zu diesem Album inspiriert. Man darf sehr gespannt sein, was ihnen noch so alles eingefallen ist.

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