19. August 2019 1 Likes

Untergangs-Cha-Cha-Cha

Asteroiden-Armageddon, Teil 2: Werden wir irgendwann einmal von einem Asteroiden getroffen?

Lesezeit: 4 min.

„Ach, Meteorologie, das ist das mit den Steinen aus dem Weltall, nicht wahr?“, wurde ich während meines Studiums immer wieder gefragt. Nein, Meteorologie ist nicht das Studium von Meteoren – aber weil wir in letzter Zeit so viel von „Steinen aus dem Weltall“ hören, beschäftige ich mich derzeit etwas intensiver damit, als für mein Fachgebiet eigentlich vorgesehen.

In meiner letzten Kolumne zum Beispiel habe ich über 2006 QV89 geschrieben, einen Meteor, der – Achtung: Spoiler! – die Erde am 9. September verfehlen wird. In der Zwischenzeit sind die Medien und das Internet ein wenig eskaliert, als QV89s Kollege 2006 QQ23 an der Erde vorbeikam. Reißerische Schlagzeilen machten die Runde: „Asteroid TERROR: Fears of human EXTINCTION as scientist says mega rock WILL hit Earth!“ Oder „So dicht wie nie! Warnung vor Gefahr durch Riesen-Asteroid!“ (Wer da wohl dichter war – der Asteroid oder die Redaktion?) Falls Ihnen das Spektakel entgangen ist, verrate ich gleich das Ende: Wir leben noch. Und das bleibt auch vorerst so. Am 10. August flog 2006 QQ23 im sicheren Abstand von siebeneinhalb Millionen Kilometern an uns vorbei, das ist knapp zwanzigmal weiter entfernt als der Mond. Seit seiner Entdeckung 2006 haben wir QQ23 lange genug beobachtet, um seine Bahn vorausberechnen zu können, und Wissenschaftler sind sich sicher, dass er uns auch in näherer Zukunft nicht gefährlich werden wird.

Generell werden Objekte ab einer Größe von fünfhundert bis tausend Meter Durchmesser als global gefährlich angesehen. Im Falle eines solchen „Impaktereignisses“ geht man vom Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen, aus. Sollte ein solcher Asteroid im Meer einschlagen, was wahrscheinlich ist, da über zwei Drittel unserer Erde von Wasser bedeckt sind, würde das einen riesigen Tsunami auslösen, der die Küstenregionen verwüsten würde. Außerdem würde so viel Staub, Wasserdampf, Gestein und anderes Material in die Atmosphäre geschleudert, dass es die Sonne langfristig verdunkeln und somit zu einer massiven Abkühlung des Klimas führen würde – die Teile der Menschheit, die nicht schon beim Einschlag ausgelöscht würden, hätten danach womöglich mit einer Eiszeit zu kämpfen. Außerdem könnte ein wirklich, wirklich großer Einschlag auch Einfluss auf die Bahn der Erde um die Sonne, ihre Achse und ihr Magnetfeld haben.

Objekte mit etwa fünfhundert Meter Durchmesser treffen die Erde im Durchschnitt alle hunderttausend Jahre. Wir wissen von mehreren großen Einschlägen in der Geschichte, hauptsächlich durch die hinterlassenen Krater oder hohe Konzentrationen von Elementen, die typischerweise in Asteroiden vorkommen. Der Barringer-Krater in Arizona oder der sechsundsechzig Millionen Jahre alte Chicxulub-Krater in Mexico sind nur zwei Beispiele. Letzterer wird für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich gemacht, jedoch sind sich Wissenschaftler weltweit noch immer uneinig, ob tatsächlich eines der großen Massensterben in der Erdgeschichte auf einen Meteoriteneinschlag zurückzuführen ist. Tatsächlich haben wir derartigen Impakten womöglich sogar einiges zu verdanken: Die Panspermie-Theorie etwa besagt, dass die ersten Keimzellen des Lebens durch einen Asteroiden auf die Erde kamen, und die Theorie vom „großen Platsch“ geht davon aus, dass unser Mond das Ergebnis der massiven Kollision eines marsgroßen Gesteinsbrockens mit der Erde ist.

Natürlich ist die Erde nicht das einzige Objekt im Sonnensystem, das von anderen Körpern getroffen wird. Die pockennarbige Oberfläche des Mondes zeugt von extraterrestrischem Dauerbeschuss, und auch auf Pluto, Mars und Merkur sehen wir die Zeichen von massiven Einschlägen. Und selbstverständlich bleiben auch die Gasriesen mit ihrer starken Gravitation ganz und gar nicht verschont, obwohl man ihnen die Narben der Einschläge nicht ganz so deutlich ansieht. Das erste Mal, dass wir ein solches interplanetares Event beobachten konnten, war 1994, als die Überreste des zerbrochenen Kometen Shoemaker-Levy 9 auf Jupiter einschlugen. Der Komet war vermutlich Jahrzehnte vorher von Jupiters Gravitation eingefangen worden und schließlich unter den auf ihn einwirkenden Kräften auseinandergebrochen. Kurz darauf fielen seine Trümmer mit spektakulären Explosionen über eine Woche hinweg in die „Oberfläche“ des Jupiters. Auch wenn diese Einschläge auf dem Jupiter keine Krater wie auf Mond, Mars oder der Erde hinterlassen haben, blieben doch Spuren: Über Monate hinweg konnte man in den hellen Wolkenbändern auf Jupiters Südhalbkugel dort dunkle Flecken sehen, wo die Trümmer eingeschlagen waren. Aufregenderweise hat gerade ein Hobbyastronom einen weiteren Impakt auf Jupiter fotografiert. Am 7. August gelang es ihm, einen deutlichen Lichtblitz festzuhalten. Bedenkt man Jupiters Größe, ist ein solcher Einschlag zwar vermutlich keine Seltenheit, aber so spektakuläre Bilder gibt es davon selten, und der Fotograf darf sich wohl über den Schnappschuss seines Lebens freuen.

Aber zurück zur Erde. Wird ein Impakt irgendwann die Menschheit vom Angesicht unseres blauen Planeten wischen? Vermutlich schon. Wenn man die Auswirkungen – eine riesige Explosion, Tsunamis und die darauffolgende Eiszeit – bedenkt, ist ein signifikanter Einschlag so ziemlich das Verheerendste, das uns passieren kann. Derart große Objekte sind deutlich einfacher zu entdecken und zu beobachten als die dutzenden kleinen Objekte, die jährlich an uns vorbeischwirren und gelegentlich in unserer Atmosphäre zerbrechen. Falls uns in den nächsten paar Generationen ein so großer Meteor treffen sollte, wüssten wir es vermutlich bereits. Allerdings hat die Beobachtungsausrüstung um die Sonne einen toten Winkel. Sollten also Meteore aus dieser Richtung auftauchen, könnten sie erst spät entdeckt werden. Gut, beim derzeitigen Stand unserer Technologie wäre das sowieso egal, denn von einem wirklich effektiven Schutzmechanismus (oder auch nur einem Plan, was in diesem Falle zu tun wäre) sind wir noch weit entfernt. In diesem Falle bliebe uns nur noch übrig, mit der Ersten Allgemeinen Verunsicherung den Untergangs-Cha-Cha-Cha zu tanzen …

 

Judith Homann hat einen Master in Meteorologie von der Universität Innsbruck und interessiert sich insbesondere für extraterrestrische Wetteraktivitäten. Alle ihre Kolumnen finden Sie hier.

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