„Unlock your [ai]dentity“ – Machen uns Smartphones dümmer?
Ein Selbsthilfebuch zum achtsamen Onlineverhalten
„Du hast es auch gespürt, oder?“ Mit diesen Worten beginnt das Buch mit dem sperrigen Titel „Unlock your [ai]dentity“ (im Shop), das Ratgeber und Hilfestellung für ein Leben mit den Möglichkeiten und Fallstricken des Internets sein möchte. Autoren des Ratgebers sind Céleste und Marinko Spahić, beruflich und privat ein Paar, und – wie der Titel ihres ersten gemeinsamen Buches schon andeutet – Fans von Anglizismen.
So haben sie ihrem gemeinsamen Unternehmen den Namen Mindzeit gegeben, ein HealthTech-Start-up, das in den Worten der Gründer „Wissenschaft und Technologie verbindet, um mentale Gesundheit greifbar und lebensnah zu fördern.“ Klarer gesagt: Eine Achtsamkeits-App, die zu einen gesünderen Umgang mit den Versprechungen und Versuchungen der modernen Technologien beitragen möchte.
Und das ist angesichts von zunehmender Zeit, die Menschen Online verbringen, von Doomscrolling, aggressivem Kommentieren, zunehmender Gereiztheit und anderen Folgen der freiwilligen Dauerberieselung in den sozialen Medien dringend notwendig. Den einfachen Rat, doch einfach weniger Zeit Online zu verbringen, am Morgen, nach dem Aufwachen einmal nicht sofort zum Handy zu greifen und abends nicht mit einem letzten Blick auf immer neue Katastrophenmeldungen einzuschlafen, hat vermutlich jeder schon vielfach gehört, doch ihn zu befolgen: Da hapert es.
Zu omnipräsent ist das Handy in den letzten Jahren geworden, zu abhängig fühlen sich immer mehr Menschen von all den bei genauerem Hinsehen nur scheinbar lebensnotwendigen Informationen, Bildern und lustigen Videos, die ohne Pause auf uns einprasseln.
Doch warum ist das so und warum fällt es uns so schwer, das eigene Surf-Verhalten zu ändern? Der Ansatz der Lifestyle-Coaches Spahić führt auf Umwegen zu einer Antwort: Sehr weit holt das Ehepaar aus, beschreibt das Internet als Technologie, die wir benutzen können, die uns aber auch zunehmend zu beherrschen droht: „Wir sind schlicht überfordert. Nicht weil wir schwach oder dumm wären, sondern weil unser Gehirn – evolutionär für das Leben in überschaubaren Gruppen optimiert – mit der heutigen Welt nicht mehr mitkommt.“
Geschwindigkeit rausnehmen, bewusster mit dem Internet agieren, sich nicht mehr so schnell triggern lassen, nicht auf jeden Tweet, jeden Facebook-Post reagieren: „Veränderung ist unausweichlich, aber das Ziel muss sein, diese bewusst zu gestalten.“ Es sind nicht unbedingt revolutionäre Erkenntnisse, die man hier findet, richtig wirkt dennoch vieles. Ein wenig hat man zwar das Gefühl, „Unlock your [ai]dentity“ sei für Menschen geschrieben, die sich wirklich noch nie über exzessiven Internet-Konsum oder Online-Suchtverhalten Gedanken gemacht haben. Wer sich jedoch nicht an Ratgeber-Prosa stört, mag in dem leicht lesbaren Band einiges lernen, und zwar: „Du lernst, zwischen den Zeilen zu lesen, nachzufragen, statt zu interpretieren, und deine eigenen Emotionsausdrücke bewusst zu wählen. Ein Emoji kann Missverständnisse verhindern. Eine Sprachnachricht transportiert Wäme, die in Textnachrichten verloren geht.“ Und wer danach immer noch stundenlang scrollt und das reale Leben vergisst, der ist wirklich selber Schuld.
Céleste Spahic, Marinko Spahic: Unlock Your [ai]dentity • Sachbuch • Ariston, München 2026 • 336 Seiten • Erhältlich als Paperback und eBook • Preis des Paperbacks: 20,00 € • im Shop
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