Boards of Canada: Inferno
Rückkehr der Downtempo/IDM/wasweißich-Pioniere
Nachdem neulich Salem ein Lebenszeichen von sich gegeben hatten, sind nun Boards of Canada nach 13 Jahren Funkstille mit einem neuen Album namens „Inferno“ wieder aufgetaucht.
Das aus den Brüdern Mike Sandison und Marcus Eoin bestehende Duo hatte 1998 mit „Music has the Right to Children” nicht einfach nur ein tolles Album veröffentlicht, sondern – ähnlich wie Salem – was Neues geschaffen, für das bis heute kein so rechtes Etikett gefunden wurde, dafür aber gingen zahlreiche Nachahmer an den Start.
Wer Boards of Canada hört, kriegt jedenfalls einen auf Asbach uralt Equipment produzierten, stark von den 70er Jahren beeinflussten Mix aus Trip-Hop-Beats, Ambient, Folk, Field Recordings und haufenweise verfremdeten Samples aus den kuriosesten Quellen. Zusammengehalten wird das von einem dicken Sirup aus Nostalgie und Melancholie, häufig mit unterschwelliger Finsternis abgeschmeckt. Nach zwei weiteren Alben war 2005 erstmal Schluss. 2013 gab es mit „Tomorrow’s Harvest“ ein erneutes Lebenszeichen.
Was gibt’s neues bei „Inferno“? Nicht allzu viel, es wird sich nicht wiederholt, aber arg weit vom einst eingeschlagenen Pfad wandelt man ebenso wenig. Das Album klingt jedenfalls alles andere als infernalisch, im Gegenteil, man befindet sich bereits nach wenigen Sekunden auf vertrautem „Boards“-Terrain, das allerdings ein klein wenig verändert wurde: So stammt nun nicht mehr alles aus dem Synthesizer: Gitarre, Bass, Xylophon, Streicher und Drums wurden live eingespielt, was sich vor allem bei den Drums bemerkbar macht, denn die klingen deutlich konventioneller als die früheren, komplexeren, durch Filter gejagten Beats.
Die Samples sind allerdings kurios wie eh und eh (unter anderem findet sich Hare-Krishna-Gesang und Auszüge aus einer Vorlesung von Hossein Nasr, über die sich wandelnde Rolle des göttlichen Bewusstseins in der Gesellschaft), weshalb im Internet wie bei jedem BOC-Release auch bereits wieder emsig über die tiefere Bedeutung der Soundfetzen gerätselt wird.
Warp Records stellt zur Wiederkehr eine ganze Produktpalette bereit: Es gibt zwei verschiedene Vinyl-Editionen, CD und Digital-Version und damit man beim Hören passend eingekleidet ist, zwei verschiedene T-Shirts und eine Baseballcap. Hier kann man sich alles anhören, gekauft werden kann direkt beim Label, aber auch überall anders.
Abb. ganz oben: Warp
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