1. Juni 2017 2 Likes

Die Top 5 Weltuntergänge

Apocalypse Tomorrow: fünf garantiert zombiefreie Romane über das Ende der Welt

Lesezeit: 5 min.

Das Ende der Welt ist Trend, und das seit Tausenden von Jahren. In allen Religionen, in allen Kulturen gibt es Geschichten über verheerende Fluten, Plagen oder übernatürliche Ereignisse, die die Menschheit manchmal komplett vernichten, manchmal ein paar Auserwählte übrig lassen. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: die Azteken beispielsweise glaubten an den Weltuntergang durch vom Himmel fallende Jaguare. Dagegen wirken die wandelnden Toten*, die seit einigen Jahren die Apokalypse-Hitliste anführen, geradezu langweilig. Es sind allerdings nicht immer die Zombies, die dafür sorgen, dass alles vor die Hunde geht. Hier sind fünf zombiefreie Weltuntergänge durch …

 

5. Technisches Versagen

Stellen Sie sich vor, New York wird von einem Blizzard getroffen. Plötzlich geht das Internet nicht mehr, und der Strom fällt aus. Und kommt nicht wieder. Tagelang. Die wenigen Nachrichtensender verstummen nach und nach, die Vorräte gehen zu Ende. Keiner weiß, was los ist. Einzig Matthew Mather hat eine Vorstellung davon, was als nächstes passieren wird, denn er ist der Autor von Cyberstorm, das am Beispiel New Yorks deutlich macht, wie sehr unser Zusammenhalt als Gesellschaft von Technologie abhängig ist. Apokalypsen durch technisches Versagen können viele Ursachen haben – EMPs, Stromausfälle, Hacker-Angriffe, Stürme, eine Kombination aus allem –, die Folgen sind jedoch immer gleich: ohne unsere Gadgets fallen wir in ein früheres Zivilisationsstadium zurück, müssen uns anders organisieren und grundlegende Dinge wie Landwirtschaft und Jagd wieder lernen, um zu überleben. Damit einher geht oft eine gewisse Nostalgie, eine Sehnsucht nach vermeintlich besseren früheren Zeiten, in denen das Leben noch einfach war (Zurück ins Auenland! Bio-Obst für alle!).

Matthew Mather: Cyberstorm • Roman • Aus dem Amerikanischen von Norbert Stöbe • Wilhelm Heyne Verlag, München 2014 • Taschenbuch • 448 Seiten • € 9,99 • im Shop

 

4. Viren

Pandemien gibt es wahrscheinlich schon ebenso lange wie die Jaguar-Apokalypse der Azteken – man denke nur an die Pest oder die Spanische Grippe. Je schneller wir über den Erdball reisen können, je mehr Menschen in Städten zusammenleben, desto plausibler erscheint die Apokalypse durch Viren. Das ging schon Mary Shelley so, die 1826 den Roman The Last Man veröffentlichte, der als eine Art Prototyp für die Krankheits-Apokalypse gilt. Einer ihrer Nachfolger ist George R. Stewarts Leben ohne Ende aus dem Jahr 1949, der für Stephen Kings Bestseller The Stand – Das letzte Gefecht (im Shop) Pate stand. Nach einer Pandemie in den USA finden sich die Überlebenden zu Gemeinden zusammen. Schon die nächste Generation hat keinerlei Interesse mehr daran, Lesen und Schreiben zu lernen, weiß aber, wo Trinkwasser und Nahrung zu finden sind. Auch hier findet die Gesellschaft zu einer sehr viel ursprünglicheren Form zurück, in der unter anderem der Aberglaube alle wieder fest im Griff hat.

George R. Stewart: Leben ohne Ende • Roman • Aus dem Amerikanischen von Ernst Sander • Wilhelm Heyne Verlag, München 2016 • Taschenbuch • 528 Seiten • € 9,99 • im Shop

 

3. Superschurken

Mal angenommen, von heute auf morgen würden einige Menschen Superkräfte entwickeln, hervorgerufen durch, sagen wir, ein unbekanntes Objekt, das plötzlich im Orbit auftaucht. Vielleicht gehören Sie dazu. Vielleicht der nervige Nachbar. Vielleicht der verurteilte Verbrecher. Was, glauben Sie, würde dann passieren? Genau: diese Supermänner würden die Macht an sich reißen und die Normalos unterdrücken. Steelheart, der titelgebende Superschurke in Brandon Sandersons Roman, ist unverwundbar, kann fliegen und verwandelt alles, was er berührt, in puren Stahl. Er reißt sich Chicago unter den Nagel und errichtet ein Terrorregime. Bei der Machtübernahme tötet er Davids Vater, der fortan nach Steelhearts Schwachpunkt sucht und sich einer Widerstandszelle anschließt. Ganz so schwarz-weiß ist die Sache nicht: Steelheart und einige andere Übermenschen wurden direkt nach dem Auftauchen des Objekts gefangengenommen und als Versuchskaninchen missbraucht. Kein Wunder also, dass sie den Normalos nicht unbedingt freundlich gegenüberstehen. Und Menschen wie David, die ihr Leben lang auf Rache sinnen, taugen auch nicht gerade dazu, die Welt neu aufzubauen …

Brandon Sanderson: Steelheart • Roman • Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski • Wilhelm Heyne Verlag, München 2016 • Taschenbuch • 448 Seiten • € 9,99 • im Shop

 

2. Pflanzen

Spätestens seit den Protesten gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP sind auch in Deutschland genmanipulierte Nutzpflanzen ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. In den USA sind gentechnisch veränderte Nutzpflanzen zugelassen, und die TTIP-Gegner befürchten, dass diese sogenannten GMOs (Genetically Modified Organisms) auch in Europa auf den Markt kommen könnten, wo sie dann zu einer Gefahr für den Menschen werden. Vor allem, wenn es sich um genmanipulierte dreibeinige Superblumen handelt, die nicht festgewachsen sind, sondern auf drei Wurzeln herumwanken. Kommt man ihnen zu nahe, schleudern sie einen Giftstachel, der sofort tötet. Wenn dann noch jemand im Orbit eine geheime biologische Waffe zündet, sei es absichtlich oder aus Versehen, die nahezu die gesamte Menschheit erblinden lässt, haben die dreibeinigen Triffids leichtes Spiel und können problemlos auch größere Städte wie London komplett überwuchern. Hausgemachter kann die Apokalypse nicht sein.

John Wyndham: Die Triffids • Roman • Aus dem Englischen von Hubert Greifeneder • Wilhelm Heyne Verlag, München 2012 • Taschenbuch • 304 Seiten • € 9,99 • im Shop

P.S.: Die Variante mit den Pflanzen aus dem All finden Sie in Ian McDonalds zweiteiliger Chaga-Saga (im Shop).

 

1. Feuerpilze

… fallen nicht unter die Kategorie „Pflanze“, können aber auch für das Ende der Welt sorgen. Beispielsweise, indem sie, ähnlich wie Stewarts Super-Krankheit, Menschen infizieren. Eine solche Infektion könnte dann bewirken, dass die Betroffenen in Flammen aufgehen und sich sowie alles in ihrer Nähe verbrennen – wie in Joe Hills neustem Roman Fireman, in dem er genüsslich und ziemlich innovativ die moderne Zivilisation abfackelt. Die Infizierten können bereits vor der Selbstentzündung an dunklen Streifen auf der Haut erkannt werden, deswegen wird regelrecht Jagd auf sie gemacht, um der Seuche Einhalt zu gebieten. Krankenschwester ist in solch heißen Zeiten wahrlich kein Traumjob, aber die junge Harper Grayson macht ihn trotzdem. Als sie sich infiziert, kommt auch sie auf die Abschussliste. Ihre ganze Hoffnung ruht jetzt auf dem Fireman, der offenbar gelernt hat, die Flammenseuche zu beherrschen und das Feuer inzwischen als Waffe einsetzen kann. Er bringt sie und ihr ungeborenes Kind in ein gut verstecktes Camp voller Infizierter – aber damit fangen die Probleme für Harper erst an …

Joe Hill: Fireman • Roman • Aus dem Amerikanischen von Ronald Gutberlet • Wilhelm Heyne Verlag, München 2017 • Paperback • 960 Seiten • € 17,99 • im Shop

 

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* Natürlich haben wir auch ein Herz für die untoten Horden, die unseren Shop überrannt haben. Aber Zombies sind eben nicht alles!

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