Review

7. August 2022

Nachrichten aus dem Raketenzeitalter

Neu aufgelegt: Hardy Kettlitz‘ Überblick zu Leben und Werk von Ray Bradbury

Es gibt vieles, was man der SF zugutehalten kann, doch eine übermäßige Neigung zu stilistischer Brillanz gehört gewiss nicht dazu. Ihre Texte sind meist so erzählt, dass sie sich widerstandsfrei lesen lassen; die verwendete Sprache dient allein dem Transport der Handlung und braucht daher kaum...

23. Juli 2022

Atomkraft und Kalter Krieg

Hans Frey über die Anfänge der bundesdeutschen SF zwischen 1945 und 1968

Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete für die deutschsprachige Science Fiction eine Zäsur. Wie bei anderen Kulturfeldern war es zwar auch hier nicht möglich, den Schatten des Nationalsozialismus von heute auf morgen zu überwinden; von einer tatsächlichen „Stunde Null“ kann daher keine Rede...

15. April 2022

Die KI und der „System Error“

Solveig Engels Science-Fiction-Debüt ist endlich erschienen

Ein Leben in Frieden und Sicherheit, wer träumt davon nicht? Der Umweg zur Utopie führt über die Verbrechensbekämpfung. Doch was wäre, wenn man Verbrechen verhindern könnte, bevor sie geschehen? Diese Aufgabe erledigt eine KI: Cyb. Doch jede Utopie hat ihren Preis.

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14. April 2022

Mit der Draisine in die Zone

Auf dem Weg zu „Stalker“: „Die Wunschmaschine“ von Arkadi und Boris Strugatzki

Drei Männer, die sich in eine verbotene Zone begeben, um dort unter Lebensgefahr zu einem Ort zu gelangen, der die Erfüllung geheimer Wünsche verspricht – wem dieses Szenario bekannt vorkommt, hat entweder den legendären SF-Film „Stalker“ (1979) von Andrei Tarkowski gesehen oder...

28. Februar 2022 2 Likes

Künstlerische Diskurse über das Mögliche und Machbare

Zum Potential eines unterschätzten Genres: „Science-Fiction. 100 Seiten“ von Sascha Mamczak

Die Aufgabe ist heikel: Eine Darstellung der Science-Fiction, die grundlegende Merkmale ebenso berücksichtigt wie die geschichtliche Entwicklung, aber mit einhundert möglichst gut lesbaren Seiten auskommt. Und das bei einem Genre, das sich jeder Definition gekonnt entzieht, dafür allerdings –...

4. Februar 2022

Das Wechselspiel von Geist und Körper

Octavia E. Butler entwirft in „Wilde Saat“ eine Utopie mit Widerhaken

Ein dank Körperwechsels quasi unsterblicher Geist und eine selbstbestimmte Frau, die ihre Gestalt beliebig zu verändern vermag – dies sind die konfliktträchtigen Hauptfiguren von...

29. Januar 2022

Weitaus mehr als „Schlachthof Fünf“

Stefan Pinternagels Buch zu Kurt Vonnegut Jr. bietet eine souveräne Werkübersicht

Kurt Vonnegut Jr. hat es von Anfang an jedem schwer gemacht, ihn in gängige Schubladen zu stecken. Gewiss, zur Science-Fiction lassen sich nicht wenige seiner Arbeiten zählen, aber typische Genrevertreter werden sie dadurch noch lange nicht. Stattdessen pendelt Vonnegut...

5. Januar 2022

Geometrien der Aggression und des Begehrens

Weiterhin provokant: „Liebe & Napalm: Export USA“ von J.G. Ballard

Es war ein Augenblick wie der Schnitt eines Chirurgen: Am 22. November 1963 gelang es Lee Harvey Oswald, den US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in dessen offener Limousine mit einem einfachen Kaufhausgewehr zu erschießen. Die Bilder des Anschlags und der nachfolgende Versuch seiner...

29. Dezember 2021

Arbeiterrepubliken und modernistische Ungeheuer

Klug und umfassend: Hans Frey analysiert deutschsprachige SF zwischen 1918 und 1945

Es ist der vielleicht heikelste Teil von Hans Freys mehrbändiger Geschichte der deutschsprachigen Science-Fiction: Ein Buch, das sich mit den Jahren 1918 bis 1945 und daher auch mit jenen Werken beschäftigt, die sich offen in einen antidemokratischen Kontext gestellt haben....

16. Dezember 2021 1 Likes

„Und alle sahen aus wie ich.“

Neue Grotesken von Eugen Egner: „Ihr Radio hat eine wichtige Nachricht für Sie!“

Ein Mann, der sich in einem „fensterlosen Photolabor“ wiederfindet, entdeckt auf einem soeben gemachten Abzug ein unbekanntes Organ. Hinter seinem Rücken meldet die Geschäftsleitung ein Patent auf das Körperteil an und verdient ein Vermögen damit. Zwei Freunde treffen in einem Badeort ein, an...

10. Dezember 2021

Noch mal vor und nach dem „Jackpot“

Mit „Agency“ schreibt William Gibson seinen Erfolgsroman „Peripherie“ fort

Es ist nichts Geringes, wenn der Autor der „Neuromancer“- und der „Idoru“-Trilogie einen neuen Roman vorlegt – schließlich gehört William Gibson zu den noch immer wenigen SF-Autoren, die auch außerhalb des Genres beachtet werden. Mit „Agency“ kehrt er in das aus...

5. August 2021 1 Likes

Zwanzig Milliarden hungernde Menschen

Überbevölkerung und Nahrungsmittelknappheit: „Tod im Staub“ von Brian W. Aldiss

Der Tote kam über das Wasser. Ganz aufrecht, schwankt er von einer Seite auf die andere, als ob er auf den Wellenkämmen spazieren ginge; die weißen Leinenhosen kleben am Körper, der Mund ist kaum mehr als ein klaffendes Loch. – So eindrücklich beginnt...

14. Juli 2021

Einsamkeit im Schatten des Teilchenbeschleunigers

Simon Stålenhag erzählt in „Tales from the Loop“ von einer magisch-rätselhaften Kindheit

Neunjährige haben einen ganz eigenen Blick. Wird die Welt, in der sie aufwachsen, von fliegenden Frachtern und großen Robotern geprägt, ist dies für sie genauso selbstverständlich wie die Möglichkeit, dass ein Zwillingspärchen die Körper tauscht oder Dinosaurier den Eiswagen überfallen. Alles...

15. Juni 2021

Wenn die „Kralle“ abspringt

Wolfgang Jeschke schildert in „Meamones Auge“ Genmanipulation in ferner Zukunft

Orbitalfabriken, künstliche Ökosysteme, ein absolutistisch geführter Stadtstaat und zwei Monde, die sich gegenseitig zu zermalmen drohen – Wolfgang Jeschkes Novelle...

14. Mai 2021

Wenn die Menschheit vergreist

In „Graubart“ von Brian W. Aldiss bewirkt eine Nuklearkatastrophe Kinderlosigkeit

Nachdem erdnahe Atombombentests die meisten Lebewesen unfruchtbar gemacht haben, rächt sich die menschliche Maßlosigkeit in einer Überalterung der Gesellschaft, die rasch bedrohliche Züge annimmt. Was zuerst nur wirtschaftliche Folgen hat, führt schließlich zu einem massiven Aussterbeprozess,...

8. Februar 2021 1 Likes

Die Unverständlichkeit des Fremden

Spannend und unkonventionell: In „Die dunklen Lichtjahre“ von Brian W. Aldiss misslingt der Kontakt mit Außerirdischen

Ist es möglich, dass ein Fremdkontakt misslingt, weil die Intelligenz des Gegenübers strittig bleibt? Und welche Konsequenzen hat es, wenn die andere Spezies wie eine Mischung aus Nashorn und Flusspferd aussieht, sich im Schlamm suhlt und offenbar weder Schmerz noch Furcht empfindet?...

16. Oktober 2020

Science-Fiction, auf links gekrempelt

Dietmar Daths „Niegeschichte“ betrachtet das Genre aus subjektiver Perspektive

Etwas ungläubig wiegt man den Klotz in der Hand. Dietmar Dath, der mit Neptunation einen Roman von 700 Seiten abgeliefert hat, legt 1.000 Seiten Genregeschichte nach – ein...

23. Juli 2020

Arkady Martines Debüt „Im Herzen des Imperiums“

Die doppelbödige Poesie des Sternenreichs

Die kleine Bergbaustation Lsel, die um einen kaum fünfunddreißig Kilometer im Durchmesser zählenden Asteroiden errichtet wurde, und das übermächtige galaktische Imperium der Teixcalaaner, das diese Station jederzeit annektieren kann – so beginnt Arkady Martines hochgelobtes...

3. April 2020

Die Weiten des Weltalls, die Tiefen des Intellekts

In jeder Hinsicht abenteuerlich: Dietmar Daths intellektuelle Space Opera „Neptunation“

Die Idee ist so schräg wie bestechend: Was wäre, wenn Ende der 1980er Jahre – also kurz vor dem Zusammenbruch des Ostblocks – eine deutsch-russische Expedition aufgebrochen wäre, um fremde Sterne zu erreichen? Und was, wenn ihr dreißig Jahre später eine deutsch-chinesische Expedition folgen...

13. März 2020 1

Eine beunruhigende Reise ins vernetzte Land

Großartig geschrieben, kongenial illustriert: „The Electric State“ von Simon Stålenhag

Frühjahr 1997: Eine junge Frau und ein kindhaft wirkender Roboter mit übergroßem Kopf sind auf einer Reise an die Westküste der Vereinigten Staaten. Das Land ist nach einem rätselhaften Ereignis teilweise verwüstet, aber es gibt noch intakte Gegenden mit vertrauter Infrastruktur. Doch auch hier...

18. Februar 2020 1 Likes

Von der Schönheit zersplitternder Autokarosserien

J.G. Ballards kontroverser Kultroman „Crash“ in Neuübersetzung

Von allen technischen Gegenständen, die täglich genutzt werden, dürfte das Auto das umstrittenste sein – wenn man vom Mobiltelefon einmal absieht. Tatsächlich hat sich die oft überdosiert wirkende Begeisterung für das Fahrzeug zwar in Musik, Film und Malerei, aber kaum in der Literatur...

26. Oktober 2019 3 Likes

(Alb-)Traumpartner gesucht

John Marrs‘ „The One“ ist ein Near-Future-Roman in bester „Black Mirror“-Manier

Sie sind überall. Im Fernsehen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, vor Youtube-Videos, auf Internetseiten: Anzeigen für Online-Singlebörsen. Die einen versprechen unkomplizierte Flirts, die anderen den Partner oder die Partnerin fürs Leben, nur hier „Bestätigen“ klicken, bitte. Auf...

16. Oktober 2019

Raumpiraten und Orbitale

Mit „Bedenke Phlebas“ wurde der erste Roman des Kultur-Zyklus von Iain M. Banks neu aufgelegt

Ein elektronisches Gehirn ist auf einem entlegenen Planeten abgestürzt, und es gibt nur eine Person, die es zuverlässig bergen kann – die jedoch hat sich in einem interstellaren Krieg der falschen Seite angeschlossen. Diese simple Ausgangsidee genügt Iain M. Banks, um mit „...

28. August 2019 2 Likes

Revolution auf Luna

„Roter Mond“ ist der nächste Schritt in der großen Zukunftsvision von Kim Stanley Robinson

Würden Sie zum Mond fliegen, wenn die Reise einigermaßen erschwinglich wäre? Ich würde sofort Ja sagen. Einmal die niedrige Schwerkraft fühlen, einmal meinen Fußabdruck im Mondstaub hinterlassen, einmal diese unirdische und zugleich von so vielen Fotos so vertraute Landschaft blicken, die ...

6. August 2019 1 Likes

Alligatoren, Pizzaboten und Zeppeline

In dem großartigen Roman „Miami Punk“ von Juan S. Guse verschwindet der Atlantik

Was passiert, wenn sich aufgrund eines unerwarteten und vor allem unverständlichen Ereignisses die Wirtschaftslage der zweitgrößten Stadt Floridas massiv verringert? Welche Folgen ergeben sich daraus, wenn bizarre Erklärungsmodelle und wenig vertrauenserweckende Utopien überhandnehmen? Juan S....

13. Juli 2019

Die Republik des Metro-Centres

J.G. Ballards letzter Roman „Das Reich kommt“ verbindet Konsum, Faschismus und Wahn

„Die Vorstädte träumen von Gewalt“: Ein überdimensionales Einkaufszentrum, ein Toter und sich langsam ausbreitende Unruhen, die sich vor allem gegen Immigranten richten – das ist die Grundkonstellation von J.G. Ballards letztem Roman „Das Reich kommt“. Der Autor entwirft eine überraschend...

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